FREIERABEND
Hans Heilner über seinen Song
18.10.2026: Europäischer Tag gegen Menschenhandel
Vor sieben Jahren schrieb ich den Songtext „Die Oranienburgerinnen“, der als zynische Milieuskizze das nächtliche Treiben auf der Oranienburger Straße in Berlin aufgriff. Der Text lag lange in der Schublade, ließ mir aber keine Ruhe.
Unterdessen hat sich das Geschäft mit den Frauen verlagert – von der Oranienburger in Berlin-Mitte zur Schöneberger Kurfürstenstraße.
Der Text wanderte 2024 von meinem Schreibtisch in seiner Urfassung als Gedicht in die Anthologie „Abbruchstimmung“ des Sternenblick e. V. ↗
Jetzt ist er in überarbeiteter Version als Song auf allen Streaming-Plattformen verfügbar.
Was sich nicht verändert hat, ist die Situation der Frauen als Opfer von Menschenhandel, Ausbeutung sowie psychischer und physischer Gewalt.
Am 5. Oktober war der Internationale Tag gegen Prostitution. Leicht hätte ich auf der Welle mitschwimmen können. Ich habe mich dagegen entschieden. Die Initiatoren dieses Aktionstages haben ein sehr eingeschränktes Blickfeld, starre und sture Ansichten.
Prostitution hat viele Gesichter und Geschichten, die des Menschenhandels verurteile und verachte ich zutiefst.
Doch die souveräne, selbstbestimmte Entscheidung von Frauen (und Männern), eine Dienstleistung anzubieten, respektiere ich. Wie käme ich dazu, erwachsenen Menschen in ihre freien Entscheidungen reinzureden?!
»FREIERABEND« beschreibt, sein Arrangement unterhält. Keine Belehrung. Auch meine ganz bewusste Entscheidung. Die Unterhaltung ist mein kleines trojanisches Pferd. Jede und jeder ist herzlich eingeladen, über die 2 Minuten und 49 Sekunden zu diskutieren.
Mehr gewonnen wäre aber, wenn der Song durch seine zugängliche Art auch jene sensibilisiert, die bisher kein Bewusstsein für das Thema hatten. Mehr erreicht ein Lied selten und jedes zeigt immer nur einen kleinen Ausschnitt des ganzen Bildes.
Nehmt und hört den Song, wie Sie wollen. Was ich dazu zu sagen hatte, ist gesagt.
Fühlen Sie sich frei und kämpfen Sie für sich und andere, damit es so bleibt!
Und möglichst nie vergessen:
Vieles ist nicht, wie es scheint. Nichts verändert sich durch Wegsehen.
- Hans Heilner -